Carl Gotthard Langhans-Gesellschaft

Die Gedenkstätte auf den Friedhöfen vor dem Halleschen Tor im Museum Massute informiert über Leben und Werk der beiden schlesisch-preußischen Architekten des Klassizismus Carl Gotthard Langhans (1732–1808), Erbauer des Brandenburger Tores zu Berlin, und Carl Ferdinand Langhans (1781–1869).

Kurzinfos/Kenndaten:
Status: Mausoleum (unter Denkmalschutz?)
Lage: Friedhof vor dem Halleschen Tor, 10961 Berlin-Kreuzberg
Website: www.langhans-gesellschaft.org/mausoleum/

Carl Gotthard Langhans (1732–1808) war ein schlesisch-preußischer Baumeister und Architekt. Seine Bauten und Innenräume gehören zu den frühesten Werken des Klassizismus in Deutschland. Sein bekanntestes Werk ist das Brandenburger Tor zu Berlin. Unter König Friedrich II. wurde Langhans einflußreicher Baubeamter der preußischen Provinz Schlesien, unter dessen Nachfolger Friedrich Wilhelm II. erster Oberhofbaudirektor in Berlin. Er war bekannt mit den führenden Akteuren seiner Zeit, den Architekten, Künstlern, Regenten, Politikern, Beamten sowie den adeligen Auftraggeberinnen und Auftraggebern vor und um 1800.

Langhans gilt als einer der innovativsten Baumeister Preußens. Als Direktor des neueingerichteten Oberhofbauamts war Carl Gotthard Langhans verantwortlich für die vom König direkt angeordneten Baumaßnahmen in Berlin. Ab 1788 setzte er das königliche Stadtverschönerungsprogramm für Berlin um. Es entstanden zahlreiche neue Gebäude, Brücken und Stadttore, darunter das Brandenburger Tor. In Berlin sind von Carl Gotthard Langhans u.a. der originelle neugotische Turmhelm der Marienkirche, das Tieranatomische Theater, die Mohrenkolonnaden sowie das Belvedere im Park von Schloß Charlottenburg zu sehen, in Potsdam u.a. das Marmorpalais, Orangerie und Gotische Bibliothek im Neuen Garten. Auch im heute polnischen Schlesien stehen noch viele seiner Werke, darunter Schlösser, Landhäuser und evangelische Kirchen.

Die Carl-Gotthard-Langhans-Gesellschaft Berlin e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der 2015 gegründet wurde und sich für Würdigung, Erhalt, Instandsetzung, wissenschaftliche Erforschung und öffentliche Vermittlung des Werkes von Carl Gotthard Langhans einsetzt. Die Langhans-Gesellschaft veranstaltet Vorträge, Exkursionen und Führungen (z.B. am Tag des offenen Denkmals), beteiligt sich intensiv an den Aktivitäten, die dem historischen Berlin gelten und kooperiert mit kunst- und kulturhistorisch arbeitenden Vereinen wie der Schadow Gesellschaft Berlin.

Das bisher wichtigste Projekt der Langhans-Gesellschaft ist die Einrichtung und Eröffnung der Gedenkstätte Langhans im Jahr 2017. Für den Erbauer des weltbekannten Brandenburger Tores, der 1732 in Landeshut in Schlesien (Kamienna Góra) geboren wurde und 1808 in der Nähe von Breslau gestorben ist, gab es in Berlin bis dahin keine Hinweisschilder oder Gedenktafeln, und sein Grab auf dem Großen Friedhof in Breslau wurde 1957 leider zerstört.

Da die Grabstätte seines Sohnes Carl Ferdinand Langhans (1781–1869) auf dem Friedhof Jerusalem III der Friedhöfe vor dem Halleschen Tor erhalten ist, schlug die Langhans-Gesellschaft dem Evangelischen Friedhofsverband Berlin Stadtmitte 2016 vor, in der Nähe zum Grab des Sohnes einen dauerhaften Gedenkort für Vater und Sohn einrichten zu dürfen.

Auch Carl Ferdinand Langhans war ein bekannter Baumeister und Architekt. Von ihm stammen in Berlin das Alte Palais Unter den Linden sowie der Wiederaufbau des 1843 abgebrannten Berliner Opernhauses (Staatsoper) mit einem akustisch hervorragenden Zuschauer- und Bühnenraum. Überhaupt galt Carl Ferdinand Langhans als der bedeutendste deutsche Theaterarchitekt seiner Zeit. Er baute weitere große Bühnenhäuser in Stettin, Dessau, Liegnitz, Breslau und Leipzig und verfaßte mehrere Schriften über den Theaterbau.

Als geeigneten Ort für einen Gedenkstätte identifizierte der Friedhofsverband die Umnutzung des seit Jahrzehnten baufälligen Mausoleums der Familie Massute. Die Massutes hatten sich 1826 von einem bislang unbekannten Baumeister eine klassizistische Grabkapelle in Form eines antiken Tempels errichten lassen, der den Beteiligten als besonders geeignet erschien, um hier an die beiden bedeutenden Architekten des preußischen Klassizismus zu erinnern.

Am Mausoleum Massute waren im Zweiten Weltkrieg gravierende Schäden durch Bombardierungen und Beschuß entstanden. Bei Beginn der Sanierung des Gebäudes 2016 waren das Dach und das den breiten Innenraum überspannende Mauerwerksgewölbe eingestürzt, die Wände schwer beschädigt. Im Auftrag des Evangelischen Friedhofsverbandes Berlin Stadtmitte begannen Nedelykov Moreira Architekten 2016 mit den Sicherungsmaßnahmen. Dazu zählte die behutsame Entfernung des stark eingedrungenen Wurzelwerkes von Efeu, Rosenstöcken und einiger bereits vier Meter hoch gewachsenen Birken, der Teilabbau und anschließende Wiedereinbau von bauzeitlichem Mauerwerk, die Sanierung von Rissen und die Herstellung eines stabilisierenden Ringankers, der Einbau einer reversiblen Segmentdecke als Fußboden über der ehemaligen Bestattungsfläche, die Wiederherstellung des böhmischen Gewölbes mit historischer Technik, der Wiederaufbau einer Dachkonstruktion mit Zinkdeckung und die Realisierung eines szenisch wirkungsvollen Oberlichts in Anlehnung an historische Vorbilder. An der Frontfassade wurden die gravierendsten kriegsbedingten Schäden gezielt durchrepariert, generell werden aber die Spuren von Einschüssen und Granatsplittern weiter zu sehen sein. Die Reste des ursprünglichen Anstriches auf der Sandsteinfassade und die wenigen erhaltenen Putzflächen des Innenraumes wurden gesichert. Die an der Fassade in römischen Majuskeln eingemeißelte Inschrift RUHESTAETTE DER GESCHWISTER MASSUTE wurde nicht wieder vergoldet. Sie tritt in den Hintergrund und wird oberhalb der im verglasten Oberlicht neu hinzugekommenen Bezeichnung „Gedenkstätte Langhans“ weiterhin ablesbar sein. Die Größe des Innenraums beträgt etwa 14 Quadratmeter. Mittelgeber für die Sanierung des Mausoleums waren der Evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte, das Landesdenkmalamt Berlin, die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien sowie die Langhans-Gesellschaft.

Im September 2017 fand die vorläufige Eröffnung der Gedenkstätte statt. Eine dort installierte Ausstellung informiert über Leben und Werk von Vater und Sohn Langhans. Die Bemühungen um die endgültige Fertigstellung und Ausstattung der Gedenkstätte Langhans werden bis 2019 andauern. Unter anderem muß der vorhandene originale Türflügel von 1826 sehr aufwendig restauriert und der fehlende Türflügel vom Metallfachmann originalgetreu nachgebaut werden. Hierfür bittet die Langhans-Gesellschaft aktuell um Spenden. Bis zum Einbau der endgültigen Tür ist an der Außenseite der provisorischen Tür eine Simulation zu besichtigen.

Die Langhans-Gesellschaft wird im Mausoleum Ausstellungen zeigen, Führungen anbieten und Vorträge und Lesungen veranstalten. Es ist geplant, die Öffnungszeiten der Gedenkstätte Langhans im Mausoleum Massute an die Öffnung der Friedhöfe vor dem Halleschen Tor anzugleichen. Dies wird voraussichtlich ab 2019 möglich sein. Bis dahin können Führungen in der Langhans Gedenkstätte direkt mit der Langhans-Gesellschaft vereinbart werden. Die Grabstätte von Carl Ferdinand Langhans ist frei zugänglich und wird 2019 den Status eines Berliner Ehrengrabes erhalten.

Kontakt

Prof Dipl.-Ing. Frank Prietz (Vorstand)
Carl-Gotthard-Langhans-Gesellschaft Berlin e.V.
Fechnerstraße 24, 10717 Berlin
E-Mail: langhansgesellschaft@gmail.com
Website: http://www.langhans-gesellschaft.org

Spendenkonto

Carl-Gotthard-Langhans-Gesellschaft Berlin e.V.
Evangelische Bank eG
IBAN: DE09 5206 0410 0002 8402 94
BIC: GENODEF1EK1

Bildnachweis

Alle Fotos © Carl-Gotthard-Langhans-Gesellschaft Berlin e.V.
Abb. 01/03/04/05/08: Annette Winkelmann,
Abb. 02: Manuel Prietz, 06: Pedro Moreira, 07: Frank Prietz